Auf nach Europa
Ich kann nichts dagegen machen, ich werde immer so euphorisch, wenn ich solche Meldung lese. Nach Mario Eggimann kommt nun auch Jan Schlaudraff zu den Roten. Ich habe mir fest vorgenommen, meine Erwartungshaltung herunterzuschrauben. Aber es ist halt so verlockend vom internationalen Geschäft zu träumen, auch wenn es dann wieder nur der graue zehnte Platz wird.
immer wieder
Dinge die man nie vergisst
Natürlich geht’s vorm Wochenende noch mal um die wichtigste Nebensache der Welt. Gestern haben die Bayern ja schon für einen völlig überraschenden Adrenalinschub gesorgt, und das obwohl ich auf nationaler ebene die Bayern gar nicht mag. Aber einem Olli Kahn – der mich optisch eher an den großen Siegfried erinnert – so außer Rand und Band zu sehen, dass hatte doch schon was. Und international halte ich sowieso immer zu den Deutschen, allein schon um die Zahl der Quali-Plätze zu halten bzw. zu erhöhen.
Das wollte ich aber gar nicht sagen, sondern – und die Überschrift deutet es an – dass es Momente im (Fußball)Leben gibt die man nicht vergisst. Dazu gehört unter anderem das Verhalten der Cottbuser in den Aufstiegsspielen gegen 96, ich sag nur der letzte macht das Licht aus. So etwas vergisst man nicht, nicht wenn das Herz an den Roten hängt.
Aber ich habe noch ein anderes Erlebnis, und jetzt bekommt dieses Posting auch ein hauch von Aktualität. Ich war damals ca. sieben Jahre alt und mein Vater nahm mich das erste Mal mit ins Niedersachsenstadion. Ich glaube jeder wird mir Recht geben, wenn ich sage welch wichtiger Moment es für eine Vater-Sohn Beziehung ist. Jedenfalls spielte Hannover gegen die Frankfurter Eintracht, und was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, die Karten die wir gerade käuflich erworben hatten lagen direkt unter dem Frankfurter Gästefanblock. Es waren 90 Minuten Angst! Angst einen Becher an die Rübe zu bekommen, Angst von einem vorbeistürmenden Fan in Grund und Boden gerammt zu werden, halt einfach die nackte Angst. Mein Vater tat sein möglichstes um die Situation zu entschärfen, er wäre dabei fast seinerseits verprügelt worden. Ich habe mich danach fünf bis sechs Jahre nicht mehr ins Stadion getraut. Diese Jahre hat mir die Eintracht geklaut. Jahre meiner Kindheit, die ich mit Begeisterung hätte im Stadion verbringen sollen. Ich bin deswegen nicht mehr Sauer, ich werfe auch keinem Frankfurter was vor, die Frau am Kartenverkauf hätte Vater und Sohn ja auch an eine etwas charmantere Stelle setzen können. Aber so funktioniert halt der Fußball nicht, so was bleibt immer im Kopf. Deswegen erwarte ich von den Roten morgen einen ganz klaren und deutlichen Sieg. Einfach weil es für mich ein Stück Genugtuung ist, wenn die Eintracht leidet. Is nichts persönliches!
Die Lichtgestalt bleibt
Die Vertragsverlängerung mit Jiri Stajner war wohl das Beste was 96 machen konnte. Aus sportlicher Sicht bin ich da weniger Euphorisch, besser als der Hubschrauber und ehemalige Bundesligatorschützenkönig Hashemian – das waren noch Zeiten bei Bochum – ist er auf jeden Fall. Aber es sind weniger die fußballerischen Fähigkeiten, die diesen neuen Kontrakt rechtfertigen. Vielmehr ist Stajner – fotographisch und somit auch amtlich Belegt – eine Lichtgestalt. Zum anderen ist er der Einzige, der bei den Roten noch für Gesprächsstoff sorgt. Keiner Spielt so herrlich zwischen Kreis- und Weltklasse, zwischen Genie und Wahnsinn.
In Zeiten wie diesen, in denen die Niedersachsen mal wieder beweisen, dass der Weg ins europäische Geschäft nicht durch Worte und Ziele gelingt, sondern durch konstante jahrelange Arbeit (oder über die Fairplay-Tabelle), gerade da sind solche Spieler gefragt. Spieler die einen vergessen lassen, dass man längst wieder im allzu grauen Mittelfeld gelandet ist. Spieler die mich in den Wahnsinn treiben, oder Jubeln lassen.
Ich mag keine Spieler die sofort Ihr Gesicht zur Faust ballen, wenn Ihn jemand auf den Fuß tritt, keine Spieler die nicht Spielen (zumindest kein Fußball).
Nun beleibt uns nur zu hoffen, dass der Transfer von Fromlowitz keine Indiz für ein wechselwilligen Enke ist, das Eggimann besser ist als Kleine. Oder, und jetzt wird’s wild – wir verkaufen den Enke für 8-9 Millionen, und Investieren dann in einen Spielmacher der das Spiel macht. Das wäre mal was Neues in Hannover.