Nummer 15

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Wie das Netz meinen Horizont erweitert

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Inspiriert von Malte, der sich hier Gedanken rund ums Thema digital vs. real life gemacht hat, wollte ich mir mal selbstreflektierend die Frage stellen, wie meine Entwicklung vom Netz beeinflusst wurde.

Fangen wir am Anfang an. Irgendwann habe ich mich für Bücher, Zeitungen und Magazine interessiert, und diese sogar auch gelesen. Bei der Lektüre dieser stößt man irgendwann an Stellen, da denkt man sich Wie hat der Autor das jetzt gemeint? oder Was bedeutet dieses Wort? oder Auf welchen Typen bezieht er sich da? In meinen Möglichkeiten der Problemlösung war ich dann aber sehr beschränkt. Ich hatte ein Fremdwörterbuch, ein Deutsch-Englisches Wörterbuch, die konnten selten, aber doch ab und an leichte Abhilfe schaffen. Die größere Hilfe war aber das Wissen meines Vaters, aber auch den konnte und wollte ich nicht immer fragen.
Werke jedoch wie ein Brockhaus, Meyers oder Who is Who? fehlten in meiner Sammlung. Folglich hatte ich keine Möglichkeit meinen Durst nach weiterführender Information zu stillen. Ich musste mit meinen unbeantworteten Frage leben.

Doch dann sollte sich eine neue Option aufzeigen, da meine Familie sich einen sogenannten Internetzugang hat legen lassen. Ich lernte mit diesem Medium umzugehen, steigerte meine Medienkompetenz und lernte einen guten und intelligenten neuen Freund kennen. Er nannte sich wikipedia und war eigentlich gar nicht einer sondern viele. Sehr viele, und die wussten auch fast alles. Wenn ich jetzt etwas gelesen habe, war mein Rechner immer an. Wenn ich was nicht verstand, jemanden nicht kannte, ich gab es ein und bekam viele Information und Verweisen. So lernte ich mehr über die Autoren, Ihre Werke und Biographien. So erweitert sich der Horizont, was auch ohne Internet möglich wäre, aber halt nicht in dieser Einfachheit, nicht in dieser Fülle und vor allem nicht mit einem solchen Preis-Leistungsverhältnis.

Dann kam noch eine weiter Komponente dazu. Ich lernte die Blogszene kennen. Ich weiß gar nicht mehr mit welchem Blog es anfing. Denke aber Spreeblick oder BasicThinking, als ich dann ein wenig Zeit mit diesen verbracht habe, wollte ich noch mehr lesen. In meiner damaligen Unwissenheit, ging ich wie folgt vor. Ich schaute mir die deutschen Blogcharts an, dann besuchte ich die jeweiligen Blogs. Wieso ich das in den Anfängen so tat, keine Ahnung? Vielleicht dachte ich Was die anderen lesen, wird schon lesenswert sein. In der Nachbetrachtung eigentlich sehr absurd, man stelle sich mal vor jemand gefällt die Musik einer Gruppe, möchte dann weitere gute finden, also hört er sich die Verkaufscharts an. Das Ergebnis kann nur unbefriedigend sein.

Bei mir schaffte letztlich ein kluger Kommentator in einer Diskussion Abhilfe, er empfahl mir den Reader von google. Da ich im gleichen Zuge meine Kompetenzen rund um Feeds erweiterte, anfing mehr zu Kommentieren und das Medium sowie deren Protagonisten zu verstehen, entwickelte sich bei mir alles weiter. Ich habe immer mehr Feeds abonniert. Manche flogen nach einer Zeit wieder raus, da mich Ihre Themen zu wenig tangierten. Einige Blogs blieben über die ganze Zeit, und neue kommen immer dazu. Man entwickelte seine persönlichen Charts.

Dann beschloss ich meinen eigenen Blog zu gründen, obwohl, eigentlich wollte ich erst mal das CMS von wordpress kennen lernen. Also gab ich dem Kind ein Arbeitstitel, „schrieb“ einen ersten gelangweilten Beitrag, und schaute, zweites und dann drittes Posting. Irgendwie machte es mir dann aber Spaß, gerade zu Kommentieren und seine Blog-URL als „Referenz“ hinterlegen zu können kam mir wichtig vor.
Man kann sagen, dass meine Entwicklung in etwa so abgelaufen ist, wie Jan es bei UPLOAD beschrieben hat. Nur um einen Aspekt muss ich es erweitern. Die Sucht ist in jeden Fall da, dazu kommt aber auch eine ständige Unzufriedenheit. Manchmal denke ich, wenn ich durch die Stadt gehe oder in der U-Bahn sitze Warum hast du DAS eigentlich geschrieben, ist doch völlig belanglos? An anderen Tagen lese ich mir vergangene Postings von mir durch, und denke Das kannst du doch viel besser. Es begleitet mich also ein ständige Unzufriedenheit.
Aber was viel wichtiger ist, und nun komme ich auch wieder zu dem Text von Malte. Seit ich mich intensiv in der digitalen Welt bewege hat sich meine Horizont expotential erweitert. Ich bin „draußen“ deutlich weitsichtiger, mein Handeln ist viel überlegter. Und sofern es überhaupt eine Trennung der zwei Welten geben sollte, es profitiert die eine von der anderen und umgekehrt.

Daher sollte man weniger über zeitliche Komponenten nachdenken, viel wichtiger ist die Kompetenz die sich daraus entwickelt. Man muss viel genauer hinschauen im neuen Web, man muss mit viel mehr Überlegung seine Meinung äußern.

[…] …, aber tatsächlich ist es so, dass man sich im wahren Leben manchmal wünscht, es gäbe diese kurze Verzögerung, die durch das Tippen ensteht, dieses Gefühl, etwas Dauerhaftes zu entäußern, eben diese Zwischenschritte, die die Beiträge noch in dem unterirdischsten Onlinemedium weit über ihr Äquivalent draußen erheben. […] Malte Welding, Spreeblick

Und sollten meine Texte weiterhin so Unbefriedigend für mich sein, umsonst ist es nicht. Weil es zumindest für mich eine tollte Aggregation der Inhalte ist, die mich zur Zeit des Postings beschäftigt haben. Eine persönliche Seite, die man öffentlich macht. Und auch wenn sie nur einen (selbst)bestimmten Teil eines Menschen abbildet, so cool ist ein Tagebuch nie gewesen.

Written by nilsn

23 Juni, 2008 um 19:10

Veröffentlicht in Life, Web

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