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Wo ist das Axa Gefühl?

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Die Digitalisierung und Entwertung des Geldes

Geld, und die Erkenntnis wird keinen überraschen, ist heutzutage kaum noch in optischer oder haptischer Form anzutreffen. Seine Existenz drückt sich in der Form mehrerer in der Geldbörse befindlicher Plastikkarten aus. Wobei viele Menschen gleich zwei Irrtümern unterliegen. Erstens ist die bloße Anwesenheit der Karte nicht gleich Zeugnis der Anwesenheit des Geldes. Und zweitens sagt die Farbe der Karten nichts über die Vermögensgröße des Besitzers aus. Beides ist, wenn überhaupt, nur die Wiederspiegelung der Tatsache, dass der Eigentümer über ein Geldfluss – meistens im monatlichen Turnus – verfügt. Der Rest ist Verhandlungssache mit seinem Geldinstitut.

Das Leben auf Pump ist Salonfähig geworden. Alles wird bestimmt von der Höhe des Dispo. Vorbei die Zeiten, in denen man an der technischen Ausstattung einer Wohnung auf den finanziellen Status des Inhabers schließen konnte. Die moderne Form des Einkaufs auf Raten macht es möglich. Null Prozent Zinsen, Eingang und Ausgang werden zu abstrakten Größen.
Im gleichen Zug verschiebt sich auch die eigene Wahrnehmung. Es geht nicht mehr darum Geld zu haben, es geht darum sich im finanziellen Spielraum zu befinden. Die schwarze Null ist das Ziel, die untere Grenze des Habens ist das Kreditlimit.

Das Interessante daran ist, dass sich sämtliche Geldvorgänge bald nur noch in einem Bereich abspielen, der unter Null beginnt und eigentlich Nicht-Haben, also Armut, bedeutet. Eckhardt Nickel in Tristesse Royal (S. 20)

Ich bin nun wahrlich kein Nostalgiker, aber was müssen das für Zeiten gewesen sein, als man am Ende des Monats seine Lohntüte bekam? Man hatte Geld, Geld in der Tasche und konnte sich überlegen, ob man gleich mal in die Kneipe geht, sich von seinem erarbeiteten Geld ein Bier gönnen. Wie muss das geschmeckt haben. Heute verschwindet der monatliche Verdienst in den Tiefen der Disposition, Bier geht aber immer.

Wir schieben heute Geld hin und her, als ob es im Überschuss vorhanden wäre. Sparen brauchen wir nicht, wir finden schon Lösungen um unsere nächsten Ausgaben schultern zu können. Geld ist nicht mehr im Portemonnaie, es rotiert durch die verschiedenen Instanzen.
Aber auch der Wert des Geldes geht dabei verloren. Es wird zu einer Größe, die nicht näher zu definieren ist.

Dies führt zu einer Diskrepanz. Diese entsteht an einer anderen Stelle, und zwar das Praktikum. Sicherlich ist das an dieser Stelle alles sehr subjektiv und hat keinen Anspruch auf Massentauglichkeit, was aber das Problem nicht mindert. Man wird an die schlechte Bezahlung gewöhnt. Jeder Student kennt die Notwendigkeit der Berufserfahrung im Lebenslauf. Also treibt man sich als Praktikant in den Firmen herum, nicht selten bekleidet man dort eine Vollzeitstelle, verdient aber nicht mehr als 400 Euro. Meiner Erfahrung nach, ist der Praktikant mittlerweile ein günstiger projektbezogen eingestellter Mitarbeiter.

Das führt beim Praktikanten zu einer Fehleinschätzung was Arbeit eigentlich Wert ist. Er kennt seine Kommilitonen der eventuell sogar unentgeltlich arbeitet, was in im gleichen Zuge aufwertet. Wie Firmen eigentlich darauf kommen, dass es eine Ehre ist, für Sie zu arbeiten? Es entsteht also eine große Diskrepanz zwischen der Fähigkeit mir Geld umzugehen (Eigenverschulden) und der Bereitschaft Arbeit vernünftig zu bezahlen (Fremdverschulden).

Heraus kommt eine heranwachsende Gesellschaft, die ständigen Sorgen und Ängsten unterliegt. Was auf der Strecke bleibt ist das Axa Gefühl.

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Written by nilsn

9 Juli, 2008 um 17:29

Veröffentlicht in Life

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