Nummer 15

About awesome Video-Stuff

Das gespaltene und triviale Ich

leave a comment »

Die Aufmerksamkeitssucht ist derzeit ein viel diskutiertes Thema, besonders mit Bezug auf das Internet. Und ein wenig hängt auch immer der Verdacht an, diesen Bezug nur als Aufhänger zu nehmen, damit ein altes Thema einen neuen und bunteren Anstrich bekommt.

Aber zunächst zum Vorwurf (NEON Teaser) wir würden als gespaltenes Ich agieren, und nur unsere guten Seiten an die Oberfläche bringen. Dem würde ich so ja auch zustimmen, aber auch die Frage anhängen, was daran so furchtbar und neu ist? Ich beobachte schon seit Jahren das gleiche Phänomen in Talkshows, auf Partys und wo auch immer. Und warum sollte es auch anders sein? Als Gut wird empfunden, was Applaus bringt!

Alter Wein aus neuen Schläuchen.

Es wird immer so getan, als ob das Internet an diesen Ausprägungen schuld ist, nur weil es uns neue Möglichkeiten der Darstellung gebracht hat. Doch haben wir jemals hässliche Bilder in unser Fotoalbum geklebt um es dann herum zu zeigen, oder weniger coole Zeitschriften auf dem Tisch drapiert, wenn Besuch kam? Und genau nach diesem Maßstäben werden wir doch auch immer beurteilt. Ob im Vorstellungsgespräch, oder wenn die Eltern Freunde zu Besuch haben. Wir geben uns immer als schöneres Abziebild unseres Ich‘s. Und dafür haben wir auch einen Namen: Gute Erziehung. 
Ehrlichkeit und das Eingestehen von Schwächen braucht sehr viel Mut und Selbstsicherheit. Darüber hinaus macht es auch sehr angreifbar und führt vielleicht zur Verschlechterung der eigenen – beruflichen oder privaten – Situation. Oder hat im Vorstellungsgespräch schon mal jemand gesagt, das er unpünktlich und sehr gesellig ist?

Im privaten Bereich taugt Interaktion als Währung nicht

Eine weitere These in der NEON ist, dass sich die trivialen Statusmeldungen durchsetzen. Als Grund wird der höhere Grad an Interaktion genannt, der als Fundament für diese Entwicklung angesehen wird. Auch hier würde ich zum Teil widersprechen wollen, weil Interaktion im privaten Bereich nicht als Währung taugt. Lassen wir doch mal die Power-User, die unter alles ein ,Like‘ knallen beiseite. Bemühen wir stattdessen das herangezogene Bild aus der NEON, man würde sich Nachts bei öliger Pizza und Bier die Wahrheit sagen. Genau da liegt nämlich der Punkt. Ehrlichkeit und Lob braucht den richtigen Moment und das richtige Umfeld. Und ein Facebook-Kommentar ist das in den seltensten Fällen. Das bedeutet aber nicht, dass Qualität im Umkehrschluss seine Wirkung verliert. Wie oft ist es mir schon passiert, dass sich politische Meinung oder intelligenter Inhalt zwei Tage später zu einer lebhaften Diskussion entwickelt haben. Weil dass die Dinge sind, die hängen bleiben, in der herrschenden Informationsflut. Das Besondere fällt nicht nur auf, es bleibt auch hängen und prägt so das Bild eines Menschen. Und das dieses ein durchaus widersprüchliches ist, um es im Facebook-Jargon zu sagen, gefällt mir! Sonst müsste ich mit ja nicht mehr die Mühe machen jemanden Kennenzulernen.

Written by nilsn

14 März, 2010 um 14:27

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: